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NOTNÄGEL...

 

Notnägel....
...sind wackelig... tatsächlich 

Er sitzt vor mir und ist energisch. Mit mir, mit sich. Er hat jetzt beschlossen, es muss sich etwas ändern. Das geht so nicht.
Es darf keine Lücke entstehen im Lebenslauf. Die Personalberater sagen alle, das würde die Chancen verschlechtern. 

Aha. Und... ich verstehe ihn. Sehr gut sogar. Es gab eine Zeit, in der ich genauso gedacht habe und in diesem Zeitabschnitt war das logisch und folgerichtig. Bei mir hat es eine Reihe unschöner Jobs zur Folge gehabt, in denen ich jede Menge Kompromisse eingegangen bin, nur um Geld zu verdienen und ja nicht aus dem System der lückenlosen Lebensläufe zu kippen. 

Das trickreiche an diesen Prozessen ist, sie kommen schleichend. Man beginnt mit "ich geh erstmal zum Gespräch und dann schaue ich weiter..". Mhm. Sehr vernünftig - dies wird auch gern von wohlmeinenden Freunden bestätigt. Offen bleiben. Doch diese offenen Türen haben Sogwirkung. Wie sagte ein Freund so schön, " ich bin schon durch offene Türen gelaufen, nur weil sie offen waren". Wer kennt das nicht. 
Das EGO freut sich über Anerkennung in einer eventuellen Durststrecke der Absagen. Noch mehr Freude keimt auf, sollte man ein Angebot erhalten und womöglich ein gutes. 
Der Prozess nimmt Fahrt auf mit "ach, das ist doch gar nicht so schlecht und im Gespräch waren sie auch nett, die Anfahrt ist nicht lang, da nehme ich die Aufgaben, die mir nicht so liegen, in Kauf". Und diese Entspannung, wenn wieder etwas in Aussicht ist. Herrlich. Der Prozess gewinnt an Tempo mit "endlich kann ich wieder loslegen, endlich aus den finanziellen Sorgen raus, endlich wieder eine Perspektive". Zack - die Falle ist zu. 

Ich mag die unzähligen Kompromisse, die andere und ich selbst dabei in Kauf genommen haben, gar nicht aufzählen. 
Sollte man diesen Prozess durchlaufen und sich bewusst sein, "ok - das ist ein Notnagel. Ich verdiene Geld für meine Miete, meine Familie (xxxx setzen Sie gern ein, was auf Sie zutrifft)" - dann ist das wunderbar. Dann sehen Sie sich weiter um nach dem wirklich passenden Job, der zu Ihren Fähigkeiten passt und Sie innerlich auch satt macht, nicht nur äusserlich. 
Meist, ist man aber einfach froh, verständlicherweise, nach einer anstrengenden Zeit der Jobsuche und der Unsicherheit, endlich wieder "safe zu sein" und möchte sich nicht schon wieder auf die leidige Jobsuche begeben. Tja, dann ist die Falle tatsächlich zu. 

Oft habe ich diese Notnägel wackeln und samt dem Bild, das wir uns von dem Job gemacht haben, runterfallen sehen. Unschön und schmerzhaft. 

Fazit: Bitte, bitte, bitte - prüfen Sie Ihr "Warum" für einen Job genau. Seien Sie sich bewusst, wenn es ein Notnagel ist. Hören Sie auf Ihren Bauch und schieben Sie Warnsignale nicht weg. Seien Sie ehrlich mit sich - hier bringt mogeln Sie evtl. in Schwierigkeiten und Schmerzen. 

Ihr persönliches "Warum" für Ihren Job, ist Ihre Versicherung für einen guten neuen Job mit Haltequalität. 

Lieber entsteht eine längere Lücke und Sie schlagen sich keine weiteren Wunden durch zu schnelles Aufspringen auf einen wackeligen Notnagel. 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Jobsuche und vor allem ein gutes Bauchgefühl!

Herzliche Grüße

Carolin Steinberger